Krankschreibung nach Urlaub: Wann Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern dĂĽrfen

Wer jedes Jahr nach dem Urlaub krank wird, riskiert die Lohnfortzahlung. ArbG Heilbronn 2026 entschied: AU-Beweiswert erschĂĽttert. Jetzt informieren.
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Das Arbeitsgericht Heilbronn hat im März 2026 ein Urteil gesprochen, das viele Arbeitnehmer kennen sollten. Im folgenden Video erklärt Rechtsanwalt Meyer den Fall und die Konsequenzen – die wichtigsten Hintergründe lesen Sie danach im Artikel.

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Der Fall vor dem Arbeitsgericht Heilbronn

Ein Maschinenführer in einem Tierfutterbetrieb befand sich im Sommer 2024 drei Wochen im genehmigten Jahresurlaub. Ab dem ersten Arbeitstag nach der Rückkehr meldete er sich für eine weitere Woche krank. Im Sommer 2025 wiederholte sich das Muster: Während des laufenden Urlaubs in Rumänien bat er seinen Arbeitgeber mehrfach – am 6., 7. sowie 13. und 14. August 2025 – um eine Verlängerung seiner freien Tage auf die Woche vom 18. bis 22. August 2025. Der Arbeitgeber lehnte ab. Am 18. August 2025 erschien der Arbeitnehmer nicht zur Arbeit und legte erneut eine AU-Bescheinigung vor, diesmal wegen angeblicher Rückenbeschwerden. Der Arbeitgeber verweigerte die Entgeltfortzahlung in Höhe von 700,21 Euro brutto. Das Arbeitsgericht Heilbronn wies die Klage vollständig ab.

Was bedeutet „Beweiswert der AU-Bescheinigung erschüttert“?

Nach § 5 Abs. 1 EFZG ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitzuteilen. Die AU-Bescheinigung hat dabei nach ständiger Rechtsprechung einen hohen Beweiswert. Bloßes Bestreiten des Arbeitgebers reicht nicht aus. Etwas anderes gilt, wenn der Arbeitgeber konkrete Tatsachen darlegt, die ernstzunehmende Zweifel begründen. In diesem Fall kehrt sich die Beweislast um: Der Arbeitnehmer muss nun aktiv beweisen, dass er wirklich krank war.

Welche Indizien erschĂĽttern den Beweiswert?

Das Gericht sah mehrere Indizien: der unmittelbare zeitliche Zusammenhang zwischen Urlaubsende und AU, die identische Dauer der Krankmeldung in beiden Jahren, die mehrfach gescheiterten Anträge auf Urlaubsverlängerung für genau diesen Zeitraum sowie fehlende Unterlagen zur Diagnose. Vergleichbar hatte bereits das Bundesarbeitsgericht (BAG, 5 AZR 149/21) entschieden, dass eine AU, die passgenau die Zeit nach einer Eigenkkündigung abdeckt, denselben Verdacht auslöst.

Wie mĂĽssen Arbeitnehmer ihren Beweis fĂĽhren?

Ist der Beweiswert erschüttert, reicht die Bescheinigung allein nicht mehr. Der Arbeitnehmer muss zu Symptomen und ärztlichen Anweisungen vortragen und den Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Unsere kostenlose Hotline hilft Ihnen, Ihre Situation einzuschätzen.

Was bedeutet das Urteil fĂĽr die Praxis?

Wer seinen Arbeitsplatz schützen möchte, sollte wissen: Gerichte werten Muster aus. Wiederholt sich die AU über mehrere Jahre nach dem Urlaub, können Arbeitgeber die Lohnfortzahlung nach § 3 Abs. 1 EFZG verweigern. Die Bundesagentur für Arbeit betont, dass der Anspruch an den tatsächlichen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit geknüpft ist.

Was Betroffene jetzt tun sollten

Die Fristen im Arbeitsrecht sind kurz. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bamberg kann Ihre Situation schnell einschätzen. Prüfen Sie auch, ob eine Abfindung zusteht – unser Abfindungsrechner liefert eine erste Orientierung. Alle Rechner und Tools finden Sie auf abfindung4u.de. Für eine kostenlose Ersteinschätzung: Hotline.

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Häufige Fragen: Krankschreibung nach Urlaub

Kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern, wenn ich mich nach dem Urlaub krankmelde?
Grundsätzlich gilt die AU-Bescheinigung als starker Beweis. Der Arbeitgeber kann die Zahlung verweigern, wenn er konkrete Indizien darlegt – etwa ein wiederholtes Muster nach dem Urlaub kombiniert mit einem zuvor abgelehnten Urlaubsantrag.
Was bedeutet es, wenn der Beweiswert der AU erschĂĽttert ist?
Die Beweislast kehrt sich um. Der Arbeitnehmer muss dann aktiv nachweisen, dass tatsächlich eine Arbeitsunfähigkeit vorlag, beispielsweise durch ergänzende ärztliche Angaben oder die Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht.
Reicht eine einmalige Krankmeldung nach dem Urlaub aus?
Nein. Eine einmalige Krankmeldung unmittelbar nach dem Urlaub begründet regelmäßig noch keinen ausreichenden Verdacht. Entscheidend ist meist ein wiederkehrendes Muster über mehrere Jahre.
Was tun, wenn der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigert?
Handeln Sie schnell. Häufig gelten arbeitsvertragliche oder tarifliche Ausschlussfristen. Lassen Sie die Situation frühzeitig arbeitsrechtlich prüfen.
Kann daraus auch eine KĂĽndigung entstehen?
Ja. Hält der Arbeitgeber eine Erkrankung für vorgetäuscht, kann zunächst eine Abmahnung und bei Wiederholung sogar eine verhaltensbedingte Kündigung in Betracht kommen.
Gilt die Rechtsprechung bundesweit?
Ja. Die Grundsätze zum Beweiswert von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen beruhen auf der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts und werden von Gerichten bundesweit angewendet.

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Rechtsanwalt Alexander Meyer